Bewertung

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Werte sind keine Eigenschaften von Dingen. Vielmehr sind es menschliche Urteile, die sich am Nutzen, an der Ästhetik, dem Recht oder anderen subjektiven bzw. gesellschaftlichen Maßstäben orientieren.

Eigenschaften von Gold sind z.B. das spezifische Gewicht, die Farbe oder die Schmelztemperatur, nicht aber Schönheit oder Preis. Auch Boden-, Klima- oder Landschaftseigenschaften sind weder „gut“ noch „schlecht“. Die Gesellschaft (insbesondere die Entscheidungsträger) will aber Aussagen zur Nutzungseignung, Belastung oder Gefährdung.

Um diese Aussagen auf der Wertebenetätigen zu können muss die rein wissenschaftliche Sachebene verlassen werden. Das unterscheidet nicht zuletzt Naturwissenschaftler, die niemals werten dürfen (Objektivität) von Planern, die zwischen Wissenschaft und Gesellschaft vermitteln sollen. PlanerInnen sollen u.a. naturwissenschaftlich ermittelte Fakten in gesellschaftlich begründete Aussagen transformieren.

Eine Steigerung der Bewertung ist die Normierung, also die formale oder gar rechtliche Festlegungen von bewerteten Sachverhalten. Das sind z.B. Richtwerte oder Schutzgebiete.

Die Unterscheid zwischen reinen Sachverhalten und deren Bewertung – die sich durchaus ändern kann – sollte immer erkennbar bleiben, also müssen Sach- und Wertedimension stets getrennt bleiben. Zudem müssen die Wertungen begründet und nachvollziehbar sein.

Diese eigentlich selbstverständliche Forderung wird leider in der Praxis oft unzureichend beachtet. So findet man selbst in amtlichen Erhebungen nicht selten Kriterien, die von vorneherein wertend sind: Erfassung „wertvoller Lebensräume“, die Kartierung „hochwertiger Vorkommen von ...“ oder „gut geeigneter Standorte für ...“. Auch Formulierungen wie „reich strukturiert“ oder „verarmt“ sind durchaus wertend und nicht objektiv, denn Armut und Reichtum sind relativ und subjektiv. Besser wären z.B. Angaben der Anzahl oder Flächenanteile.

Als Beispiel für gesellschaftliche Wertänderungen kann die der Moore dienen. Diese wurden über Jahrhunderte hinweg negativ beurteilt (als Siedlungsland ungeeignet, kaum Ertrag, gesundheitliche Risiken, Hindernis für Verkehr usw.). Heute sind sie von weiten Schichten der Gesellschaft akzeptierte, wertvolle Biotope und nahezu alle sind ausgewiesene Schutzgebiete, also „wertvoll per Rechtsverordnung“.

Hinterfragt man solche Beispiele, so wird deutlich, dass nicht andere Wertungen nach dem gleichen Prinzip, sondern andere Wertmaßstäbe angelegt werden: Früher die des Nutzens, heute die der Seltenheit und der gewandelten Umweltethik. Im übertragenen Sinne ist das so, als wenn man einmal nach Gewicht und einmal nach Länge urteilt.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass oft unterschiedliche Wertsysteme kollidieren und es dadurch zu den Konflikten des Typs „Arbeits- oder Brutplatz“ kommt, die den Umweltschutz nahezu immer begleiten.

Besonders im Bereich der Bewertungen der landschaftlichen Schönheit, die im Naturschutzgesetz genannt wird, sind vermeintliche „Eigenschaften“ wie malerisch, reizvoll usw. oft schon die Erhebungskriterien: Das heißt, es wird nicht sachlich, sondern wertbehaftet argumentiert. Die Phase der Diagnose wird schon mit der der Analyse verwoben, eine nachträgliche Differenzierung in einer „Geschmacksdiskussion“ mit Betroffenen oder die Änderung von Wertkriterien ist nicht mehr möglich.

Generell muss man sich bewusst bleiben, dass auch die Ökologie eine sachliche Wissenschaft bzw. eine spezifische Betrachtungsweise ist. Folglich gibt es keinen „ökologischen“ Wert, nur menschliche Wertsetzungen, die den Ökologiebegriff mit oft emotionalen Vorstellungen von schön, heil, natürlich, gesund usw. verbinden.

Wesentlich für eine gute planerische Praxis ist es daher:

1. Sachlich und wertfrei die Fakten zu erfassen.

2. Offen zu legen, wie die Wertungen dieser Sachverhalte begründet sind, also welche Maßstäbe angelegt wurden.

3. Bewertungsverfahren einzusetzen, die strukturiert und nachvollziehbar die Sachaussagen in Wertungen überführen.

(Du)


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