Landwirtschaft

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Der Anbau von Pflanzen (Ackerbau) und die Nutzung von Tieren (Viehzucht) wird seit etwa 12 Jahrtausenden für die Produktion von Lebensmitteln und anderen Erzeugnissen betrieben (z.B. Flachs oder Baumwolle für Textilien, Schafwolle; in jüngster Zeit die so genannten nachwachsenden Rohstoffe).

Mit dieser Entwicklung wurden erstmals in der Geschichte aktiv und immer großflächiger die Landschaften und die Lebewesen (Züchtung) zum Zwecke des Menschen verändert. Diese Veränderungen führten jedoch lange Zeit zu vielfältigeren Strukturen und neuen Lebensräumen auch der Pflanzen- und Tierarten, weil z.B. an die Stelle oft großflächig relativ gleichartiger Wälder ein Mosaik von Feldern, Brachflächen, Wiesen, Hecken, Steinriegeln, Hutewäldern usw. trat.

Landwirtschaft war tatsächlich bis ins ausgehende 18. Jahrhundert „ganz nebenbei“ und ungewollt zugleich Naturschutz. Die Produktionsweise war extensiv, kleinstrukturiert und notweniger Weise standortgerecht. Dadurch gab es eine enorme Vielfalt an z.B. nassen, feuchten, wechselfeuchten, nährstoffarmen oder nährstoffreichen Wiesen und Weiden oder Ackerparzellen mit ebenso unterschiedlichen Voraussetzungen und angebauten Arten. Wo es zu nass war, blieben Moor-, Sumpf- und Auenflächen, wo es flachgründig oder steil war die Gehölze. Aktiv wurden Hecken und Baumhecken als Begrenzung, Windschutz und für Brennholz, die Korbflechterei usw. angepflanzt, Fisch- und Löschteiche angelegt, Lesesteinhaufen oder Weinbergterrassen entstanden. Die Vielzahl dieser Biotope und deren Gemeinschaft steigerte die Biodiversität enorm.

Man produzierte vor allem für den Eigenbedarf und somit sehr differenziert auf keinen Flächen, die man auch nur zeitlich gestaffelt bewirtschaften konnte. Es war unmöglich große Schläge an einem Tag zu pflügen, anzusähen oder abzuernten, so dass es immer räumliche und zeitliche Übergänge gab, die den Arten verschieden Strukturen, Nahrungsangebote und Ausweichmöglichkeiten boten (ganz im Gegensatz zur industrialisierten Landwirtschaft mit Quadratkilometer großen Monokulturen, die dann an einem Tag von einer Getreide- oder Wiesenlandschaft zum nackten Acker oder Kurzrasen werden).

Bis etwa 1900 erzeugte ein Landwirt in Deutschland Nahrungsmittel für ca. 4 Personen. Durch die Verbreitung des Kunstdüngers und das Aufkommen von Maschinen konnte in den nächsten Jahrzehnten die Relation auf 1 zu 10 gesteigert werden. Doch erst nach 1950 begann die eigentliche Produktivitätsexplosion durch intensive Veränderung ganzer Landschaften (speziell in Nord- und Ostdeutschland) für den Einsatz von Großmaschinen, durch Dränagen, Aufdüngungen, Tiefpflügen und Pflanzenschutz (Spritzmittel), durch Flurbereinigung, die Haltung der Tiere in Ställen, Boxen und Käfigen, und mit immer größerem Einsatz fossiler Energie. Heute versorgt ein Landwirt etwa 150 Personen. Dies ist auch möglich, weil wir – weltweit gesehen – sehr produktive Böden und klimatisch günstige Verhältnisse haben.

Dennoch ist Deutschland ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern und leistet es sich, immer mehr dieser hochproduktiven Flächen zu überbauen. Ist es klug, auf dem, was bleibt, statt Lebensmitteln die „nachwachsenden Rohstoffe“ anzubauen? Mit nicht wenig Einsatz fossiler Energie werden also Pflanzen erzeugt, die einen kleinen Teil unsres Energiehungers sättigen sollen. Das können z.B. auch Solardächer. Auf Dächern kan man aber keinen Getreideanbau betreiben. Energie zu sparen, wäre ohnehin der Königsweg.

Mit dieser Entwicklung der Landwirtschaft ist die Biodiversität in den letzten Jahrzehnten radikal zurückgegangen, das Artensterben ist Alltag geworden, Gewässerschutzprogramme zur Reduzierung der Dünge- und Spritzmitteleinträge sind längst normal. Selbst die „Landbevölkerung“ flieht in den Ferien aus den monotonen Agrarlandschaften ohne Erholungsqualität. Daran sind nicht die Landwirte „schuld“ und es kann auch kein Zurück zur Selbstversorgungslandwirtschaft geben, aber Fakt ist, dass aus dem ehemaligen Gleichklang von Agrarwirtschat und Naturschutz der bedeutendste Missklang wurde.

Daher müssen Naturschutz und Landwirtschaft wieder eine zukunftsfähige Beziehung aufbauen, statt sich zu bekämpfen. Politisch und Gesellschaftlich muss es den landwirtschaftlichen Betrieben ermöglicht werden, Naturschutz mit ihren Betriebsabläufen zu vereinbaren, was im "ökologischen Landbau" ja durchaus gelingt. Ökologische Leistungen der Landwirte müssen angemessen honoriert werden, auch über die Preise für die Agrarprodukte, die mehr als nur Nahrungsmittel oder gar Rohstoffe sind.

Wir Landschaftsplaner solten die Landwirtschaft so früh wie möglich in den Planungsprozess einbeziehen und die Politik kann nicht so mit den Landwirten umgehen, wie man es zumeist bei der Ausweisung der Natura-2000-Gebiete und der damit einhergehenden Bewirtschaftungsauflagen getan hat. Auch die ökonomischen Belange der Landwirtschaft müssen bei Umweltschutzmaßnahmen und Auflagen bedacht werden. Sie müssen sich an der landwirtschaftlichen Praxis orientieren und auf die abgestimmt werden. (Du)



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