Nachhaltig

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Der Begriff der Nachhaltigkeit stammt schon aus dem 18. Jahrhundert, kam aber erst in den beiden letzten Jahrzehnten außerhalb der Wissenschaften ins Gespräch. Heute steht er in vielen Gesetzen und ist in aller Munde.

Carl von Carlowitz, ein Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg, war es, der 1713 unter diesem Begriff als Erster verschiedene Grundsätze formulierte, um dauerhaft ausreichende Holzmengen für den Bau von Silberminen zur Verfügung zu haben. Es sollte gewährleistet werden, dass nicht mehr Bäume geschlagen werden, als wieder nachwachsen können. Aus diesem zuerst forstwirtschaftlich geprägten Ansatz entwickelte sich der auch auf die Natur bezogene Leitgedanke "von den Zinsen zu leben und nicht vom Kapital".

Pupulär wurde der Begriff dann durch den "Brundtland-Report" und die "Rio-Agenda 21". Die Vereinten Nationen hatten nämlich 1983 eine unabhängige Sachverständigenkommission für Umwelt und Entwicklung gegründet. Diese setzte sich aus Politikern, Wissenschaftlern, Juristen und Diplomaten aus von 18 Staaten zusammen. Vorsitzenden wurde die damalige Ministerpräsidentin von Norwegen, Gro Harlem Brundtland.

Diese Kommission veröffentlichte vier Jahre später (1987) ihren als Brundtland-Report bekannt gewordenen Zukunftsbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ („Our Common Future“). In diesem Bericht wurde erstmals in der internationalen Geschichte eine (wörtlich) "aufrechterhaltende" Entwicklung ins Zentrum gestellt. Die Kommission verstand darunter eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Der verwendete englische Begriff 'Sustainable Development' wurde im Deutschen teils als "dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung" teils als "nachhaltige Entwicklung" übersetzt. Dieser kürzere Nachhaltigkeistbegriff hat sich durchgesetzt.

Der von der Bundesregierung berufene Rat für Nachhaltige Entwicklung fasst die Grundideen mit den Worten zusammen: "Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben."

Dieser Bericht beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich. Er wurde auf zwei internationalen Konferenzen (1987 in London und 1988 in Mailand) eingehend diskutiert und war der Kernpunkt der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992.

Auf dieser Konferenz wurde als Tagesordnungspunkt 21 das dadurch als "Rio-Agenda 21" bekannt gewordene Leitbild einer neu orientierten globalen Entwicklung. Die unter [1] nachzulesende Erklärung war der politische Startpunkt für eine zumindest gewollte Entwicklung, die die Wirtschafts-, Umwelt- und Sozal-Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigen soll, ohne die Chancen künftiger Generationen zu beeinträchtigen.

Dies ist auch ethisch ein Meilenstein, denn erstmals wurden gewissermaßen noch Ungeborene zu "ethischen Partnern". Dies beeinflusste auch maßgeblich die Entwicklung hin zu einem Selbstwert der Natur (inzwischen ein Niederschlag in den "Schutzgütern" und Formulierungen wie "um ihrer selbst willen ..."), was den verbreiteten Ethikmodellen (Nutzenethik, Vernunftethik, Tugendethik usw.) fremd ist. (Du)


Ein Lexikon der Nachhaltigkeit findet man unter [2]


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