System

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Von Systemen spricht man in vielen Bereichen. Etwa vom sozialen oder politischen System, vom Ordnungssystem, Planungssystem, Bewertungssystem oder Ökosystem. Was ist die Gemeinsamtkeit? Die, dass es um ein Ganzes aus verschiedenen Teilen geht, die aufeinander abgestimmt sind. Es handelt sich - so die freie Übersetzung aus dem Griechischen - um eine verbundene Zusammenstellung.

Somit ist ein Sandhaufen gewiss kein System, denn die Teile (Sandkörner) sind im eigentlichen Sinne nicht verschieden und sie liegen zufällig beisammen: Auch wenn man sie anders anordnet, einigen Sand wegnimmt oder hinzufügt, so bleibt es ein Sandhaufen. Anders ist es schon bei einer einfachen Peitsche. Sie besteht zwar nur aus zwei Teilen, nämlich Stock und Schnur, doch durch die abgestimmte Anordnung (Schnur vorne am Stock angebunden) wird sie zu einem System. Biegt man den Stock und bindet die Schnur zusätzlich an seinem anderen Ende an, so hat man einen einfachen Bogen aus zwar den gleichen Grundelementen, jedoch mit anderer Anordnung (Struktur) und anderer Funktion. Bindet man dagegen an die Peitschenschnur noch einen Haken, so resultiert eine Angel mit wiederum neuer Struktur und Funktion. Und dieses Ganze ist sicherlich mehr als seine Teile. Denn liegen die die drei Bestandteile nur zufällig herum wie die Sandkörner, so kann man damit auch nicht den kleinsten Fisch fangen, selbst wenn der Haken aus Gold, die Schnur aus Silber und der Stock diamtbesetzt sind.

Zwei Kernbegriffe tauchten auf: Struktur als der Aufbau, das Gefüge, die Gliederung des Ganzen, sowie Funktion als die Fähigkeit, die Aufgabe oder der "Beruf" des Systems.

Systemteile müssen nicht aktiv aufeinander einwirken. Das tun Stock und Schnur an der Angel nicht, obwohl sie die Aufgabe des Fischfangs erfüllen können, und Borsten, Befestigung und Griff des Pinsels nicht, obwohl dieses Ding die Fähigkeit besitzt Farbe zu verstreichen. Wirken die Teile aber aktiv durch Stoff-, Energie- oder Informationsflüsse aufeinander ein, so haben wir es mit einem Wirkungsgefüge bzw. einem kybernetischen System zu tun. Dieser Begriff bezeichnet im Griechischen die Steuermannskunst.

Systeme, auch kybernetische, können rein technischer Art sein (Heizungssteuerung, Computer, Roboter) oder rein organisch. So ist eine Zelle ein hochkomplexes organisches System und ein Gehirn oder ein Mensch erst recht.

Maschinen u.a. künstliche Systeme werden von außen geschaffen, gewartet und erhalten. Sie zerfallen ohne dieses externe Tun. Natürliche Systeme sind selbstorganisierend und auch in der Lage zu lernen. Eine Zwischenstellung nehmen virtuelle Systeme ein (künstlichen Intelligenz), die sich selbst organisieren und entwickeln können, aber eben nicht im eigentlichen Sinne »real« sind.

Insgesamt gilt:

  • Ein System ist ein aus Teilen bestehendes Ganzes.
  • Systeme könne sehr einfach sein, wie eine Angel, oder hoch komplex, wie die Ökosphäre.
  • Was wir als System ansehen und was als Teil davon, hängt von unsere Betrachtungsweise ab. Denn die Grenzen eines Systems zu seiner Umwelt sind nicht etwas Gegebenes, sondern gedankliche Konstruktionen (im Bereich relativ starker Übergänge zwischen starken „inneren“ Vernetzungen und schwachen „äußeren“)
  • Systeme sind offen gegenüber ihrer Umwelt und stehen mit dieser in Wechselwirkung.
  • Offenheit zur Aufnahme und Abgabe von Stoffen, Energie und Information ist notwendig zum Überleben eines Systems. Somit ist ein lebensfähiges Systeme nie autonom. Es muss sich in seine Umwelt einpassen.
  • Die Systemteile sind so miteinander verknüpft, dass kein Teil unabhängig von anderen ist.
  • Die Eigenschaften eines Systems sind mehr als die Summe der Eigenschaften seiner Teile. Sie sind oft unvorhersehbar und überraschend.
  • Durch neue Verbindungen zwischen den Teilen eines Systems vergrößert sich dessen Komplexität und durch Hinzufügen nur eines einzigen neuen Teils können »schlagartig« vielfältige neue Verbindungen und Eigenschaften entstehen.
  • Es gilt auch die Umkehrung: Oft können zwar viele Systemteile – speziell bei ausgereiften natürlichen Systemen, die mit vielen Redundanzen und Verflechtungen arbeiten – ohne Gesamtschaden herausgenommen werden, doch kann auch der Verlust einer einzigen Systemteils schlagartig zum Zusammenbruch der Ganzen führen.
  • Es gibt keine eindeutig vorhersagbare Schwelle, an der ein System sich plötzlich radikal ändert oder zusammenbricht. Wenn das System unter zu hohem Druck steht, braucht es nur einen kleinen Auslöser (den berühmten „Wassertropfen, der das Überlaufen“ auslöst).
  • Ein System erhält sich selber durch die Interaktion seiner Teile aufrecht. Deshalb ist der gegenseitige Einfluss zwischen den Bestandteilen wichtiger als es die Bestandteile selbst sind.
  • In komplexen Systemen kann die Lenkungsfunktion nicht bei einem Element konzentriert werden, sondern sie ist über das System verteilt.
  • Komplexe natürliche Systeme halten sich durch eine Vielzahl von miteinander verknüpften Regelkreisen selbst unter Kontrolle.
  • Solche Systeme haben ein „Gedächtnis“; denn sie „erinnern“ sich an Einwirkungen und erfolgreiche Reaktionen darauf.
  • Natürliche Systeme sind »Anti-Entropiepumpen« und können sich selbst organisieren, erhalten, wachsen. Dennoch zerfallen sie letztendlich, wenn sie diese Leistung gegen das allgemeine Entropiegesetz verlieren. (Du)


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