Vegetationsplanung: Typologien der Vegetationsflächen

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Funktionstypen der Stauden

Stauden übernehmen Funktionen für das räumliche und zeitliche Gerüst einer Pflanzung. Diese Funktionen können je nach der gewählten Anordnung, also dem Bepflanzungstyp variieren:

  • Solitärstaude: Zur Einzelstellung besonders geeignete, meist standfeste, formprägnante und langlebige Großstaude, z.B. Chinaschilf (Miscanthus sinensis).
  • Gerüststaude: Standfeste, in Gruppen gepflanzte Staude, die mehr durch Formcharakter, Sprossaufbau oder dauerhaften Blattschmuck raumgliedernd wirkt, z.B. Indianernessel (Monarda fistulosa).
  • Gruppenstaude: Staude, die sich für eine dichte Pflanzung eignet und in Einzelstellung oft nicht standfest oder wirkungsvoll genug ist, z.B. Kleine Taglilie (Hemerocallis minor).
  • Bodendeckstaude: Gewöhnlich niedrige Staude, die einen großflächigen, geschlossenen Bewuchs bildet und i. d. R. ober- oder unterirdische Ausläufer treibt, z. B. Teppich-Golderdbeere (Waldsteinia ternata).
  • Streupflanze: Niedrige bis mittelhohe Staude oder kurzlebige Pflanze, die aufgrund von geringer Blattmasse oder frühem Einziehen nur in mehreren Exemplaren in einen niedrigen Teppich eingestreut zur Wirkung kommt, z.B. Akelei (Aquilegia vulgaris).
  • Füllpflanze: Meist kurzlebige Pflanze, die im Anfangsstadium einer Pflanzung den Boden bedeckt und im Laufe der Zeit durch sich langsam entwickelnde Dauerarten verdrängt wird, z.B. Sibirisches Tellerkraut (Montia sibirica), Seestern-Mauerpfeffer (Sedum pulchellum) oder die einjährige Jungfer-im-Grünen (Nigella damascena). Von der unkrautunterdrückenden Wirkung sind Füllpflanzen mit Lebendmulch vergleichbar und werden besonders in integrierten Pflanzsystemen eingesetzt.

In strukturreichen Pflanzungen wie Mischpflanzungen oder Pflanzungen nach Geselligkeitsstufen sollten alle Funktionstypen hierarchisch eingeplant werden. In manchen Bepflanzungstypen und bei speziellen vegetationstechnischen Lösungen kann allerdings auf einige Funktionstypen verzichtet werden. So benötigen Gruppenpflanzungen mit nahezu gleichhohen Bodendeckstauden keine Solitär- und Gerüststauden. Beim Einsatz von organischem (und z.T. auch bei anorganischem) Mulch kann auf die Verwendung von Füllpflanzen verzichtet werden. Bei der Pflanzung werden die Stauden hierarchisch ausgelegt: zunächst die Solitärstauden und Gerüststauden usw. und als letztes die Füllpflanzen.


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Gestalterische Funktionen der Stauden

Je nach Charakter der Pflanzung lassen sich weitere gestalterische Funktionen unterscheiden, die oben genannte Funktionen ergänzen. Sie beziehen sich auf jahreszeitliche (phänologische) Aspekte:

  • Aspektbildner: Stauden mit auffälligem Farbaspekt (Blüte, Herbstfärbung), die in hohen Mengenanteilen verwendet werden und das Aussehen einer Fläche über einen bestimmten Zeitraum prägen, z.B. Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) oder Tulpe (Tulipa). Im Gegensatz zu Leitstauden ist ihre Anordnung in der Pflanzung zufällig oder verstreut. Dadurch wirken sie eher subtil. Aspektbildner eignen sich für wiesenartige Pflanzungen (Aussaaten, Mischpflanzungen) oder als Frühjahrsaspekt z.B. in Gruppenpflanzungen.
  • Leitstauden: Stauden, die den Aufbau und den Rhythmus der Pflanzung prägen, z.B. Rittersporn (Delphinium), Sommer-Phlox (Phlox paniculata). Durch Gestalt, auffallende Blütenfarben und Blütenreichtum dominieren sie die Pflanzung und bilden deren "Gerüst". Sie werden gezielt, einzeln oder in verschieden großen Gruppen und in rhythmischer Wiederholung eingesetzt. Dadurch wird die Pflanzung "geordnet". Leitstauden eignen sich für Pflanzungen mit eindeutiger Hierarchie (insbesondere Beetstaudenpflanzungen) und nehmen Bezug auf die gestalterische Leitidee. Bei der Pflanzung werden die Leitstauden vor den Begleitstauden ausgelegt.
  • Begleitstauden: Stauden, die den Aspekt der Leitstauden ergänzen, aber keine besondere Gestalt oder Blütenreichtum aufweisen. Sie wirken eher subtil und werden daher in kleineren Mengen verwendet.


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Geselligkeitsstufen

Geselligkeitsstufen – Strukturierung einer Staudenfläche aus pflanzensoziologischer Sicht

Stauden können einzeln oder in unterschiedlich großen Gruppen, also gesellig miteinander kombiniert werden. Je nachdem in welcher Geselligkeit die Stauden gesetzt werden, verändert sich das Erscheinungsbild der Pflanzung. RICHARD HANSEN & HERMANN MÜSSEL haben die in der Vegetationskunde üblichen Geselligkeitsstufen auf die Verhältnisse im Garten übertragen:

  • I = möglichst einzeln oder in kleinen Gruppen pflanzen
  • II = in kleinen Trupps von 3–10 Pflanzen gruppieren
  • III = in größeren Gruppen von 10–20 Pflanzen verwenden
  • IV = in großen Stückzahlen und meist flächig pflanzen
  • V = vorwiegend großflächig verwenden

Nach der Pflanzung ist die weitere Entwicklung von der Wuchsform und der Langlebigkeit der Stauden abhängig. So sieht eine großflächige Anordnung des horstig wachsenden Blau-Schwingels (Festuca cinerea) zwar zunächst sehr reizvoll aus. Die Pflanzung bleibt aber auch nach Jahren noch lückig. Die Art empfiehlt sich daher für die Gruppierung in kleinen Trupps (Geselligkeitsstufe II). Ausläufer treibende Arten wie die Teppich-Golderdbeere (Waldsteinia ternata) eignen sich dagegen sehr gut für eine großflächige Verwendung (Geselligkeitsstufen III bis V). Eine an der Natur orientierte Kombination ist beispielsweise der Bepflanzungstyp Pflanzung nach Geselligkeit.


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Bepflanzungstypen

Die Verbindung von Funktionstypen und Geselligkeitsstufen.

Die Arten stehen in Staudenpflanzungen zueinander in Beziehung. Die Stauden können in der Fläche in unterschiedlich großen Gruppen oder in Formen und Mustern verteilt werden. Der Vielfalt der Kombinationen sind kaum Grenzen gesetzt. Die gestalterische Anordnung der Arten und Sorten einer Pflanzenzusammenstellung in der Fläche wird als Bepflanzungstyp bezeichnet.

Statische Bepflanzungstypen

Bei statischen Bepflanzungstypen wird das anfängliche Bild durch die Pflege über die Lebensdauer der Pflanzung weitgehend unverändert erhalten. Hier spielen die räumlichen Beziehungen der Arten untereinander die herausragende Rolle, der dynamischen Entwicklung der Stauden muss durch Pflege entgegengewirkt werden:

  • Monopflanzung (Einartbestände)
  • Rasterpflanzung
  • Flächenstrukturpflanzung
  • Blockpflanzung
  • Streupflanzung
  • Gruppenpflanzung (Leitstaudenpflanzung): Beispiel BB Stauden Rosen Impressionen.
  • Pflanzung in Wellen (Drifts)
  • Mosaikpflanzung: Beispiel BB Stauden Rosen.

Dynamische Bepflanzungstypen

Bei dynamischen Bepflanzungstypen kann sich das anfängliche Bild durch Veränderung der Artenzusammensetzung und der Mengenverhältnisse je nach Entwicklung der Pflanzen verändern. Standortgerechtigkeit und Entwicklungsprozesse der Pflanzen, also die funktionalen Beziehungen der Pflanzen untereinander, stehen im Vordergrund. Es werden von der Natur inspirierte Pflanzen-gemeinschaften zusammengestellt. Ziel der Pflege ist es, steuernd einzugreifen, um ein ästhetisch ansprechendes Bild beizubehalten. Bei der Kenntnis der Arten und der feinfühligen Beachtung ökologischer Zusammenhänge und bei steigender Prozesssteuerung sind solche Pflanzenkombi-nationen besonders pflegeextensiv:

Die Bepflanzungstypen unterscheiden sich in ihren gestalterischen und vegetationstechnischen Eigenschaften. Bei vielen Staudenpflanzungen handelt es sich um Mischtypen. Je nach Artenzusammensetzung, Anordnung der Stauden und Anspruch überwiegen mal mehr die statischen, mal mehr die dynamischen Eigenschaften. Allerdings muss ein räumliches Gesamtgefüge dauerhaft durch Pflege erhalten werden, was den Pflegeaufwand gegenüber dem Idealtypus erhöhen kann. Natürlich ist der Pflegeaufwand auch von der erforderlichen Qualität der Pflege abhängig.


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